Bundespolizei - Polizeidienstuntauglich aufgrund Hyperdrosis plantaris et palmaris

  • Servus,

    grundlegend erstmal vielen Dank für alle die sich die Zeit nehmen mein Problem durchzulesen und mir eventuell auch diesbezüglich behilflich sein können.

    Nun zu meinem Problem, gestern Vormittag erhielt ich leider eine nicht so schöne Nachricht vom polizeiärztlichen Dienst der Bundespolizei, die haben mich nämlich Polizeidienstuntauglich eingestuft aufgrund von einer Krankheit, die eine Hautklinik bei mir diagnostiziert hat – Hyperhidrose plantaris et palmaris (Überfunktion der Schweißdrüsen auf den Handflächen & Fußflächen).

    Für mich ist natürlich erstmal eine Welt zusammengebrochen, da ich mir nicht im Klaren war, dass so ein winziges Problem in meinen Augen ein Ausschlusskriterium für den ärztlichen Dienst der Bundespolizei ist. Zumal die Hautklinik in der Diagnose deutlich vermerkt hat, dass mich dies im Alltag nicht einschränkt. Des Weiteren bestehen die Möglichkeiten mithilfe von speziellen Cremen, Deos, Botox, Laserbehandlungen, chirurgische Eingriffe dieses „Problem“ zu unterbinden.

    Im letzten Absatz der Unterrichtung ist auch vermerkt, dass die Bundespolizeiakademie über die weitere Bewerbung entscheidet und mir einen entsprechenden Bescheid zustellt.

    Nun ist, meine Frage, besteht die Möglichkeit, dass der Auswahldienst mir dennoch eine Zusage mitteilen kann, obwohl der ärztliche Dienst mich als untauglich eingestuft hat? Dies gibt mir nämlich einen kleinen Funken Hoffnung noch....

    Des Weiteren versuche ich auch ein wenig vorauszudenken, was ich tun soll, wenn die endgültige Absage kommt.

    Macht ein Widerspruch dagegen Sinn?

    Soll ich versuchen mit dem ärztlichen Dienst, Auswahldienst in Verbindung treten, um eventuell doch noch was zu drehen?


    Grüße Meik

  • Des Weiteren versuche ich auch ein wenig vorauszudenken, was ich tun soll, wenn die endgültige Absage kommt.

    Eine Möglichkeit von Vielen: Darüber nachdenken und sich darüber klar werden, dass es in Deutschland auch noch vielfältige andere Möglichkeiten der Beschäftigung gibt.


    Soll ich versuchen mit dem ärztlichen Dienst, Auswahldienst in Verbindung treten, um eventuell doch noch was zu drehen?

    Ich glaube nicht, dass das viel bringen wird. Bei Auswahlverfahren handelt es sich nicht um einen Basar, auf dem man "was drehen" kann.


    Macht ein Widerspruch dagegen Sinn?

    Wenn Du Deinen künftigen Berufsweg mit Rechtsmitteln beginnen möchtest, ist das Deine Entscheidung. Das Recht dazu hast Du. Ob es Erfolg hat ist aber nicht sicher.


    Ob Du Dir in der Zukunft dann immer vorwerfen wirst, dass Du "nicht alles probiert hast", kannst nur Du wissen.


    Ich persönlich würde meine Energie und Lebenszeit eher darauf richten, mich nach anderen interessanten Berufen umzuschauen.


    Nun ist, meine Frage, besteht die Möglichkeit, dass der Auswahldienst mir dennoch eine Zusage mitteilen kann, obwohl der ärztliche Dienst mich als untauglich eingestuft hat? Dies gibt mir nämlich einen kleinen Funken Hoffnung noch....

    Klar, die Möglichkeit besteht. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering bis sehr gering, siehe auch der Kommentar zu Ausbildungskosten und -aufwand und die Bewerberzahlen weiter unten.


    dass so ein winziges Problem in meinen Augen ein Ausschlusskriterium für den ärztlichen Dienst der Bundespolizei ist. Zumal die Hautklinik in der Diagnose deutlich vermerkt hat, dass mich dies im Alltag nicht einschränkt.

    Zum einen ist eine Hyperhidrose je nach Ausprägung kein "winziges Problem" (worauf der Umstand, dass Du bereits in einer Hautklinik warst und eine Diagnose erhalten hast zumindest auch hindeutet), zum anderen kann insbesondere eine emotionale Hyperhidrose insbesondere im Polizeidienst auch zu einem Problem werden, dass Du in Deinem bisherigen Alltag so noch gar nicht wahrnehmen konntest.


    Zum einen warst Du bisher kein Waffenträger und neben der Griffkraft selber bestimmen auch Faktoren wie Handschweiß über die Fähigkeit zum sicheren Umgang mit Schusswaffen und der Dienstalltag eines Bundespolizisten wird es kaum möglich machen, allzeit beim Waffentragen Handschuhe zu tragen.


    Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, im Dienst bei der Bundespolizei in emotionale und stressbedingte Extremlagen zu kommen (Beispiel körperliche Auseinandersetzung am Hauptbahnhof von Frankfurt, der direkt an die Drogenszene angrenzt), die das Problem in ein Ausmaß verstärken können, das Du in Deinem bisherigen "zivilen" Leben nicht kennengelernt hast.


    Von der Seite der Bundespolizei musst Du das so betrachten: Die investieren je nachdem, ob mittlerer oder gehobener Dienst zweieinhalb oder drei Jahre Ausbildungszeit und ein paar hunderttausend Euro in Deine Ausbildung, um dann mit einer nicht nahe Null liegenden Wahrscheinlichkeit irgendwann feststellen zu müssen, dass das dann doch nicht funktioniert.

    Solange es da derzeit noch ein Stellen zu Bewerberverhältnis von ca. 1:10 hat, nimmt man dann lieber jemanden, der nicht dieses im Vorraus bekannte und nicht griffig quantifizierbare Problem hat.


    Und damit schließe ich den Kreis zu meinem ersten Kommentar: Es gibt in Deutschland auch noch eine Unmenge anderer interessanter Tätigkeiten.


    Insofern tu' Dir selber einen Gefallen und verrenne Dich gedanklich nicht in "den einen und einzigen Traumjob" denn der ist eine Tätigkeit bei der Bundespolizei ganz sicher auch nicht. Und je nach Ausprägung Deiner Krankheit muss man von tatsächlichen Nachteilen spätestens in körperlichen wie emotionalen Extremsituationen ausgehen, die im dümmsten Fall Dein oder das Leben Deiner Kollegen kosten können.


    Da gibt es bei uns sicher vielfältige andere Berufsoptionen, in Deinen Deine Krankheit keine so große bis gar keine Einschränkung sein wird und die wie gesagt sicherlich auch interessant und spannend sein können. Dafür darf man dann aber keine Scheuklappen aufhaben und sich nur auf eins konzentrieren.

  • Hat du dir schon einmal überlegt, die Hyperhidrose operativ behandeln zu lassen, heutzutage gibt es da doch sehr gute und erfolgversprechende Möglichkeiten?

  • die Hyperhidrose operativ behandeln zu lassen, heutzutage gibt es da doch sehr gute und erfolgversprechende Möglichkeiten?

    Dabei wird aber die komplette Schweißproduktion in den betroffenen Körperregionen permanent stillgelegt.


    Je nach Tätigkeitsfeld (Schutzweste, komplett geschlossene, langärmlige Uniform, ggf. Helm, etc.) kann das Probleme mit der Temperaturregulation des Körpes geben, die bei anderen Tätigkeiten in der "normalen Welt" nicht so zum Tragen kommen. Es hat ja durchaus seinen Grund, dass und wo wir schwitzen.


    Je nachdem, welche Erfahrungen der PÄD BPol mit solchen Erkrankungen hat ist also nichtmal sichergestellt, dass eine Operation einer Einstellungsgarantie gleichzusetzen ist. Ohne Rücksprache zu halten und dabei eine sehr zuverlässig positive Rückmeldung zu bekommen würde ich so einen Schritt nicht machen.

  • Hat du dir schon einmal überlegt, die Hyperhidrose operativ behandeln zu lassen, heutzutage gibt es da doch sehr gute und erfolgversprechende Möglichkeiten?

    Steht für mich auf jeden Fall im Raum, aber wie Peter S. schon gesagt hat, muss ich das am besten erst mit dem polizeiärztlichen Dienst abklären, was ich direkt morgen früh in Angriff nehmen werde.

  • sonst würde es ja die Fälle von einer Einstellung in eine andere Behörde nicht geben, obwohl Behörde XY einen abgelehnt hat.

    Das mag vielleicht sein, wenn verschiedene Behörden verschiedene Einstellungskriterien haben.


    Du willst aber zur gleichen Behörde, deren polizeiärztlicher Dienst Dich (immerhin noch nicht vollständig abgeschlossen) für polizeidienstunfähig erklärt hat.


    Kam mir tatsächlich nur in den Kopf, da ich ein wenig recherchiert habe und positive Fälle gefunden habe von gewissen Kanzlein, die sich auf das Verwaltungsrecht spezialisiert haben...

    Die leben davon, diese Verfahren zu führen und verdienen auch daran, wenn der Klagende nicht gewinnt. Klar haben die Interesse daran, mit den paar positiven Fällen hausieren zu gehen. Von den erfolglosen Versuchen liest Du auf deren Webseiten sicherlich nichts.


    Unabhängig von Erfolg oder Misserfolg der Klage müssen die aber so oder so nicht mit den eventuellen langfristigen Folgen für den Klagenden leben. Wie gesagt, das ist Deine Entscheidung und nur Du kannst für Dich beurteilen, wie wichtig Dir das wirklich ist und welchen Start Du haben möchtest.


    Grundsätzlich finde ich es gut, dass jemand an so einem Job Interesse hat und kann es natürlich auch nachvollziehen, wie enttäuschend so eine Rückmeldung ist. Und ich kann aus der Ferne natürlich auch nicht wirklich abschätzen, wie stark Dich Deine Erkrankung denn tatsächlich einschränkt (kann bei den oben beschriebenen Punkten aber durchaus potentielle Probleme erahnen) aber als jemand, der beruflich (und privat im Freundeskreis) viel Kontakt mit Polizisten, Bundespolizisten und anderen Behördenangehörigen hat und auch immer wieder mal mit Leuten zusammenarbeitet, die ihre Beamtenstellung aus verschiedensten Gründen aufgegeben haben, kann ich nur sagen, dass das von außen gerne mal besser und interessanter aussieht als es dann von innen tatsächlich auch ist.


    Insofern würdest Du sicherlich was verpassen, aber ganz sicher auch nicht so viel, wie Du momentan vielleicht vermutest. Und es gibt wie gesagt vieles Interessantes da draußen, wenn man ein bisschen über eventuelle Tellerränder hinausschaut.


    Viel Erfolg beim Abklären, wenn Du magst wäre es nett, wenn Du uns auf dem laufenden halten würdest.

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