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Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Meinungen und Fragen zu weiteren Gebieten

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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Hai » 22.06.2013 18:57

Moin,
naja,die Piraten greifen ja auch nicht mit Wattebällchen an.
Mit Wasserkanonen und Ultraschalltönen ist denen nicht beizukommen.

Ich bin der Meinung die Firmen H&K sowie Sig Sauer haben einiges im Angebot was nicht unter das KWGG
fällt und trotzdem als Abwehrwaffe interessant wäre.
Was die Zulassungen der Firmen und die Auswahl der entsprechenden Mitarbeiter betrifft,
mal schauen was die Behörden verlangen,wenn das Gesetz verabschiedet ist.

gruss hai
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Fump » 22.06.2013 19:20

Ich kann nicht ein Gesetz erlassen und auf der anderen Seite ein anderes so bestehen lassen, das eine halbwegs effektive Verteidigung ermöglichen würde..... damit triebe man die Leute in die Illegalität oder in den Tod
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Hai » 23.06.2013 09:53

moin,
Fump hat geschrieben:Ich kann nicht ein Gesetz erlassen und auf der anderen Seite ein anderes so bestehen lassen, das eine halbwegs effektive Verteidigung ermöglichen würde..... damit triebe man die Leute in die Illegalität oder in den Tod


Das Gesetz ist ja noch nicht durch,was dabei rauskommt muss man erstmal sehen.
Ebenso die Waffenrechtlichen Änderung,auch hier bleibt abzuwarten,was ergänzt und/oder
erlassen wird.Da dies über den Hamburger Senat läuft ist zumindest die Nähe zum Wasser
und der Seefahrt gegeben. :roll:

gruss hai
Hai
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Locationscout » 24.06.2013 13:16

Na ja, ich hab nicht Politik studiert aber für mich ist´s eigentlich durch, die Gültigkeit ist ab dem 01.12.2013 geregelt - siehe hier: http://www.bafa.de/bafa/de/presse/press ... 5_pbs.html

wen der Gesetzestext und die Voraussetzungen für die Zulassung interessiert - siehe hier:
http://www.gesetzesportal.de/jportal/do ... 3s1562.pdf

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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Outsider » 04.07.2013 22:49

Grüßt euch,

bin seit langem mal wieder eingeloggt und finde es recht amüsant wie ihr über die "dicken Waffen" redet.
Habt ihr euch mal mit dem Thema Kaperung durch Piraten und deren Vorgehen beschäftigt?
Da braucht ihr keine Waffen die unter das KWG fallen.

Da kommen zwei Nußschalen mit je fünf Mann, der ihren Außenborder nicht wirklich Leistung bringen, im Schutze der Dunkelheit, zwischen den Nußschalen ein dickes Tau gespannt.
Die setzen sich rechts und links vor den Bug des Handelsschiffes, lassen das Handelsschiff in das Tau fahren, so dass sie automatisch längsseits gezogen werden, wenn sie längsseits gegangen, bzw. gezogen wurden, werfen sie ihre abenteuerlichen Enterhaken-Strickleiter-Konstruktionen über die Reling, was je nach Größe des zu kapernden Schiffes auch nicht einfach ist, so eine Bordwand ist verdammt hoch...
Wenn sie es geschafft haben, klettern sie hoch, aber sicherlich nicht wie die Profis, d.h. ich habe jede Zeit der Welt die Möchtergern-Piraten abzufischen, Reling einfetten und Natodraht hinter der Reling helfen zusätzlich, sollten sie es doch schaffen, oder beim aufentern ihre Schusswaffen einsetzen, so sind wir wieder beim abfischen, da langt ne 12er Langwaffe, die sind beim Klettern so was von in der Defensive....
Bezugnehmend auf Reichweite oder schweres Geschütz welches wieder auf Waffen aus dem KWG schließen lassen würde, meine ich, auch nicht notwendig, da mir kein Fall bekannt ist, bei dem mit großen Geschrei das zu kapernde Schiff vorher angegriffen wurde, sprich Salven bei der Annährung oder Sperrfeuer auf Oberdeck, oder sogar RPG Einsatz...die wollen ja Schiff und Besatzung unversehrt übernehmen, weil Loch im Rumpf ist blöd und Schiff steuern ohne Besatzung können die auch nicht...
Von daher wird es beim leisen Annähren bleiben, Überraschungseffekt ausnutzen...nur mehrere Ausgucks, bewaffnete Kräfte die bereit stehen...da werden sie wohl kein Erfolg mehr haben.

Zu dem Frage ich mich, muss sagen habe mir die Gesetzesvorlagen nicht alle komplett durchgelesen, ob der Schusswaffeneinsatz nicht strikt geregelt sein wird und der präventive Schuss vor den Bug ( nun ja dafür müsste schon was größeres an Oberdeck stehen) überhaupt den Sicherheitsdienstleistern gestattet sein wird, kann ich mir nicht vorstellen, wird wohl eher auf reine "Notwehr/Nothilfe" Sache rauslaufen.
Und dann die Frage der rechtlichen Würdigung nach Schusswaffeneinsatz, denke da nur an die festgenommen Somalis und der Rumzackerei wegen der zuständigen Gerichtsbarkeit, wie soll es dann bei solch einem Fall laufen??? Wird sicherlich nicht einfach.

Gruß
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Locationscout » 06.07.2013 12:33

Outsider hat geschrieben:Grüßt euch,

bin seit langem mal wieder eingeloggt und finde es recht amüsant wie ihr über die "dicken Waffen" redet.
Habt ihr euch mal mit dem Thema Kaperung durch Piraten und deren Vorgehen beschäftigt?
Da braucht ihr keine Waffen die unter das KWG fallen.

Da kommen zwei Nußschalen mit je fünf Mann, der ihren Außenborder nicht wirklich Leistung bringen, im Schutze der Dunkelheit, zwischen den Nußschalen ein dickes Tau gespannt.
Die setzen sich rechts und links vor den Bug des Handelsschiffes, lassen das Handelsschiff in das Tau fahren, so dass sie automatisch längsseits gezogen werden, wenn sie längsseits gegangen, bzw. gezogen wurden, werfen sie ihre abenteuerlichen Enterhaken-Strickleiter-Konstruktionen über die Reling, was je nach Größe des zu kapernden Schiffes auch nicht einfach ist, so eine Bordwand ist verdammt hoch...




Das mit dem Tau ist nur eine von vielen Angriffsvarianten und die funktioniert auch nur bei langsamen Schiffen.

....da mir kein Fall bekannt ist, bei dem mit großen Geschrei das zu kapernde Schiff vorher angegriffen wurde, sprich Salven bei der Annährung oder Sperrfeuer auf Oberdeck, oder sogar RPG Einsatz...die wollen ja Schiff und Besatzung unversehrt übernehmen, weil Loch im Rumpf ist blöd und Schiff steuern ohne Besatzung können die auch nicht...V

Gruß


...auch dies ist nur teilweise richtig, da gibt´s genügend auch in youtube zu finden, hier nur zwei Beispiele:

http://www.youtube.com/watch?v=znW1VRgwwyY

http://www.youtube.com/watch?v=Ay1FZ2A5C2o

LS
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Peter S. » 14.08.2013 09:42

Outsider hat geschrieben:bin seit langem mal wieder eingeloggt und finde es recht amüsant wie ihr über die "dicken Waffen" redet.
Habt ihr euch mal mit dem Thema Kaperung durch Piraten und deren Vorgehen beschäftigt?


Die Frage könnte man Dir gleichermaßen stellen. :wink:
Ergänzt um die Frage, ob Du schon einmal an Bord des einen oder anderen Schiffes gewesen bist.
Dann würdest Du wissen, dass einige der von Dir angerissenen Taktiken nicht funktionieren können.

Ja, das von Dir geschilderte Angriffs-Szenario gab es so oder so ähnlich schon.
Deine darauf basierenden Schlüsse hinsichtlich der vorzusehenden Bewaffnung schiessen allerdings deutlich daneben (pun intended :D ).
Und es ist nur eine von ziemlich vielen Taktiken, die bisher versucht wurden und die ggf. zum Erfolg geführt haben.

Ein RPG-Loch im Rumpf dürfte einen 300m-Frachter nur periphär interessieren (die Dinger produzieren auf Stahl nur wenige cm grosse Löcher, wenn sie überhaupt umsetzen), zumal eher auf die Brücke gezielt werden wird, um die Schiffsführung zu stören, die Schutzmannschaft während der Annäherungsphase in Deckung zu zwingen und für einen Nothalt zu sorgen. Bedenklicher ist, was passiert wenn eine RPG Ladung oder Aufbauten in Brand setzt...

Eher wird die Piraten die "Gefahr" am vorherigen Beschuss hindern, dass dann die Besatzung deutlich früher in Richtung Zitadelle verschwindet und man langwierig eine riesige "Konservendose" knacken muss um die Besathung in die Hand zu bekommen, während man sich im Wettlauf mit den via Notruf/UKMTO informierten Seestreitkräften befindet. Damit steigt das Risiko für die Angreifer also, was aber nicht ausschliesst, das irgend ein mit Drogen zugehauener Boss das doch durchzieht - man hat ja auch schon versucht Kriegsschiffe anzugreifen bzw. zu kapern...

Und ob es ein oder zwei Verwundete oder Tote auf Seiten der Besatzung gibt, ist sicherlich auch nur zweitrangig und kann bei Lösegeldverhandlungen auch die Ernsthaftigkeit der Lage und damit die Verhandlungsposition verbessern. Ein wirklich steuerfähiges Schiff braucht man auch nicht, zumal solche Pötte auch bei weitgehend zerstörter Brücke noch über eine Notsteuerung bedienbar sind. Das macht die Sache nur etwas komplizierter, aber nicht unmöglich.

Hai hat geschrieben:Ich bin der Meinung die Firmen H&K sowie Sig Sauer haben einiges im Angebot was nicht unter das KWGG
fällt und trotzdem als Abwehrwaffe interessant wäre.


Ja und nein.

Zum einen hat man bei HK einen Feststellungsbescheid für das G28 beantragt, eine erste auf dem zivilen Markt angebotene Waffe dieses Modelltyps (und damit meine ich kein MR308 im G28-Gewand) muss ich aber noch sehen. Zum anderen ist fraglich, ob so ein finanzielles und physisches Monstrum überhaupt in die Kostenkalkulation eines seriösen Anbieters passt. Und last not least würde sich die Frage stellen, ob diese Waffe in dieser Konfiguration überhaupt für diese Art Tätigkeit geeignet ist.

Auf dem zivilen Markt in Deutschland gäbe es durchaus einige Waffenmodelle, die geeignet sein könnten - da sind HK und SIG nur zwei Optionen, da gäbe es sicherlich noch mehr. Das Hauptproblem liegt hier aber im technischen Detail, denn viele dieser Modelle haben aus rechtlichen und sportlichen Gründen (für letztere sind sie ja entwickelt/gebaut worden) Matchläufe verbaut, die engere Maße haben die sich positiv auf die Präzision, aber ziemlich negativ auf die Lauferhitzung bei längeren Schussfolgen auswirken.
Hier sollte ein entsprechender Anbieter sorgfältig prüfen, was er beschafft und wie er es einsetzt. Wobei man die dadurch möglichen Probleme vermutlich erst im scharfen Einsatz feststellen wird, wenn im Training an Bord und der Ausbildung an Land vorher (wie in der Sicherheitsbranche eher üblich) sparsam mit Munition umgegangen wird. Und im Notfall stehen die Jungs dann mit heissgeschossenen, gestörten Waffen da - we'll see.

Im konkreten Einsatz sind international gesehen heutzutage angefangen von Weltkriegsschrott über Jagdwaffen bis hin zu Sportwaffen, "halbautomatischen Dienstgewehren" und Kriegswaffen so ziemlich alles. Die Kunst ist da weniger die Bewaffung ansich (obwohl das schon schwierig genug ist) sondern eher der saubere rechtliche Umgang mit der Materie im internationalen Umfeld. Denn das kann gerne auch mal schiefgehen, wie einige deutsche Dienstleister in den letzten Jahren schon am eigenen Leib feststellen durften. Manch einer agiert da höchstseriös (womit man immer noch von den Offiziellen in den zuständigen Ländern abhängig ist...), manch einer hat da eher kuriose und halbseidene Konzepte am Start...

Wir dürfen gespannt sein, wie sich der deutsche Markt mit Umsetzung von Gesetz und Seesicherheitsverordnung insbesondere vom Volumen her entwickeln wird und welche Folgen das auf dem (Waffen)Markt haben wird. Nur wenn die potentiellen Beschaffungsvolumen gross genug sind, wird sich jemand finden, der darauf abgestimmte, bessere Angebote auf den Markt wirft. Ich wage das mal zu bezweifeln und man wird sich weiterhin mit den Krücken behelfen, die derzeit eingesetzt werden.
Peter S.
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Locationscout » 14.08.2013 15:19

....gefällt mir.

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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Wolperdinger » 19.09.2013 15:12

Mal wieder was neues zur maritimen Sicherheit. Die Ausgabe 2/2013 des Magazins für Aussen- und Sicherheitspolitik hat die maritime Sicherheit zum Schwerpunkt. Berichtet wird über globale maritime Fakten und Vorhaben und dabei auch über Piraterie.

Lesenswert ab Seite 56 der Beitrag "Tödlicher Irrtum". Zwei italienische Marineinfanteristen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder eines Vessel Protection Detachment auf dem Tanker "Enrica Lexie" töten zwei indische Fischer. Aktuell wird ihnen in Indien wegen Mordes der Prozess gemacht.

Link: http://adlasmagazin.files.wordpress.com ... 3_2013.pdf
Grußi

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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Hulk2013 » 17.10.2013 17:28

klassische panikmache oder
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Peter S. » 25.10.2013 15:14

Eher eine deutliche Erinnerung, sauber und korrekt zu arbeiten.

Sowohl auf administrativer Ebene, siehe korrekte Anmeldung der Bewaffnung, als auch auf operativer Ebene mit korrekter und sauberer Zielansprache und Identifikation der Bedrohung.

Wir sind nicht im Wilden Westen, ein PMSC bzw. PCASP im Allgemeinen ist kein "Contractor" im Rechtsfreien Raum, wie es mal eine Weile lang in Konfliktregionen wie dem Irak, Afghanistan oder sonstwo gewesen sein mag.
Man sollte eher so operieren wie Daheim und genauso Augenmaß und fachliche Expertise walten lassen wie man es ansonsten auch tut. Problem ist eher, dass sich in diesem Bereich viele Leute tummeln, die vorher nie Erfahrungen im zivilen Umfeld gesammelt haben und im Rahmen von BFD-Maßnahmen der einen oder anderen ggf. irreleitenden, aber für diese Tätigkeit qualifizierenden Ausbildung beigewohnt haben und dann unter diesen Eindrücken und den Erfahrungen aus dem (Kriegs- bzw. Krisen-)Einsatz heraus anfangen, als maritimes Sicherheitspersonal zu arbeiten.

Spätestens wenn man für ein (demnächst) in Deutschland zertifiziertes maritimes Sicherheitsunternehmen arbeitet, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass das so sein wird als arbeite man in Deutschland. Mit allem drum und dran, incl. der möglichen rechtlichen Folgen von Fehltritten.

Da ist eine saubere Dokumentation (vorher, währenddessen und danach) zwingend. Und das nicht nur um die Anforderungen zu erfüllen.
Die Angaben der Italiener sind da äusserst schwach (Waffen nicht angemeldet, fehlerhafte Aufklärung/Zielansprache, "Warnschüsse vor das Schiff", die dann die Besatzung treffen - und dann nicht nur einen sondern gleich zwei Menschen, keine genaue Dokumentation, wer geschossen hat...) und deren Geschichte arg fishy.
Peter S.
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Berliner » 29.10.2013 05:44

Ebensowenig sollte man vergessen das die Piraten schwer bewaffnet sind und keinerlei Skrupel haben, Dich abzuknallen und Dein zu verteidigendes Schiff zu Versenken. Sind die erst mal auf dem Schiff, geht es nicht mehr ohne Blutbad und Du hast Deinen Job nicht gemacht, die Gefahr abzuwehren und Ausserbords zu Lassen.
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Fump » 29.10.2013 08:26

Vielleicht sollte man noch erwähnen das viele dieser Piraten kleine Wahl haben, viele waren vorher Fischer die Dank Fangflotten vor den afrikanischen Küsten nichts mehr fangen und sehen hier die einzige Möglichkeit mit sich und ihrer Familie zu überleben... Während der Sicherheitsmann auf dem Schiff für den Job für ein Honorar macht, kämpfen viele der Piraten bei einem Angriff um das Leben ihrer Familie und um ihr eigenes, was das ganze umso gefährlicher macht, sie haben nicht zu verlieren.
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon Peter S. » 29.10.2013 16:57

Das ist - mit Verlaub - Bullshit und war, wenn überhaupt (und das ist noch Zweifelhaft) mal ganz am Anfang der Fall. Das ist nicht persönlich gemeint, denn diese Darstellung wird gerne mal von Schuldzuweisern und entsprechend polarisierter Presse kolportiert, so dass man durchaus diesen Eindruck gewinnen kann, wenn man sich nur oberflächlich damit beschäftigt.

Zum einen treiben sich schon länger keine fremden Fischfangflotten maßgeblicher Grösse vor den Gewässern Somalias mehr rum, zum anderen haben damals die Machthaber die Fischereirechte an ebendiese bösen Fischereiflottenbetreiber verkauft und damit nicht wenig Geld eingenommen. Dass dieses Geld dann wieder nicht an die betroffenen Fischer ging, kann man kaum den Externen ankreiden, das sind landesinterne Probleme.

Die zu lösen ist sicherlich nicht einfach, aber wenn man schon bereit ist, Waffen in die Hand zu nehmen, um unbeteiligte Dritte zu überfallen, als Geiseln zu nehmen und zu bedrohen, sollte man auch in der Lage sein, das Geschick des eigenen Landes in die Hand zu nehmen. Oder eben die Konsequenzen zu tragen, wenn man das nicht tut.

Es besteht keinerlei Grund dazu, heute auch nur irgendwie geartetes Mitleid mit den Piraten zu haben. Spätestens heute ist sind das klar durchstrukturierte, gewinnorientierte Unternehmungen, teils aus dem Inland, teils von Investoren aus dem Ausland finanziert.

Wenn man in den jeweiligen Regionen mal genau schaut - und da geht es ja mittlerweile nicht nur um die Küste vor Somalia, wo diese Geschichte der armen, arbeitslos gemachten Fischer gerne mal gesponnen wird, die Extended Risk Zone umfasst derweil das GESAMTE Arabische Meer (wo mehr oder minder instabile, die Kriminalität begünstigende Staaten wie Yemen, Sudan, Äthiopien, Eritrea, Iran, Pakistan, etc... liegen) und es gibt auch noch andere pirateriegefährdete Regionen, z.B. das Südchinesische Meer, Golf von Bengalen, Strasse von Malakka, Westafrika - dann sind das entweder kriminelle Organisationen, die einfach nur Geld verdienen wollen, aktive oder ehemalige Rebellenorganisationen, die ihren Kampf finanzieren oder schlicht und einfach Kleinkriminelle (insbesondere Westafrika derzeit). Davon sind der allerkleinste Teil ehemalige Fischer, die jetzt nicht mehr ihrem Gewerbe nachgehen können...

...und wenn mal grade nicht Piraterie betrieben wird, dann wird geschmuggelt, was das Zeug hält.
Beides ist einfacheres und zuverlässigeres Geld als ehrliche Arbeit. Ob ich mir jetzt auf die Fahne schreiben und Verständnis heucheln muss, dass diese Regionen so instabil und unregierbar sind, wie sie sind?


Und ja, per se sind die Piraten schwer bewaffnet. So schwer sogar, dass der behördliche Einsatz deutscher Kräfte bei einem geplanten Befreiungseinsatz abgebrochen wurde.
Aber da war wohl eher die heutige Versicherungsgesellschaft die Ursache und man wollte um keinen Preis eventuelle Verluste in Kauf nehmen, denn die tatsächliche Effektivität der Piratenbewaffnung kann in Frage gestellt werden, sowohl vom Zustand her (zumindest ausgehend von dem, was bisher beschlagnahmt und nicht rechtzeitig über Bord entsorgt wurde) als auch von der Eignung, diese Bewaffnung effektiv einzusetzen.
Das ist grundsätzlich erstmal eine gute Sache für die, die operativ arbeiten, aber wiederum kein Grund davon auszugehen, dass das a) immer so ist und b) gar keine Gefahr besteht.
Das wissen die Jungs aber auch ganz gut selbst und man spielt geschickt mit der Angst Dritter.

P.S.: Ein Frachtschiff zu versenken wird die Gegenseite wohl kaum hinbekommen. Aber um einen Totalverlust herbeizuführen reicht es auch, ein kleinwenig zu zündeln...
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Re: Sicherheitsdienste sollen bald Handelsschiffe schützen

Beitragvon guardian_bw » 29.10.2013 17:26

Peter S. hat geschrieben:Es besteht keinerlei Grund dazu, heute auch nur irgendwie geartetes Mitleid mit den Piraten zu haben.


Es ging Fump wohl kaum darum, Mitleid für die Piraten zu erhaschen.

Vielmehr spielt die Motivation des Einzelnen eine grosse Rolle. Die Motivation, die sein Handeln beeinflusst.
Jemand, der - warum auch immer - ums reine Überleben seiner selbst und auch seiner Familie kämpft, handelt anders...
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