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Mit Vorstrafe Meister machen

Meinungen und Fragen zu weiteren Gebieten

Moderator: Moderatoren

Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon sec1006 » 03.06.2017 12:44

Hallo Community,
Ich habe mich für meine Frage extra hier angemeldet und hoffe auf einige Meinungen von euch. Ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten - möchte aber alles einbringen.
Es geht um folgendes: Ich bin 23 Jahre alt, Fachkraft für SchuSi und habe diese 2015 abgeschlossen. Während meiner Ausbildungszeit habe ich allerdings eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen und wurde zu einer Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Ich war schuldig und vollumfassend geständig. Würde es so gerne rückgängig machen aber geht nicht.
Nach der Ausbildung verließ ich meine Ausbildungsfirma und fing bei einer der großen "Big-Player" an. Da ich in einem Objekt mit hohem Sicherheitsstandard eingesetzt wurde, wurde eine Ü2 an mir durchgeführt die negativ ausfiel und ich würde gekündigt. (Mein Führungszeugnis ist definitiv rein, Jugendstrafen u. 2 Jahren eben.) Danach fing ich bei einer anderen großen Firma an und diese Überprüfung würde wohl nicht gemacht, obwohl ich gehört habe, dass auch diese Firma die Überprüfung eigentlich macht. Ein Kollege würde wegen radikalem Hintergrund auch nach 2 Wochen wieder gekündigt. Da kam wohl auch der Daumen runter vom Ordnungsamt.

Worum es mir nun eigentlich geht: Ich hab einen großen Fehler gemacht, seitdem hab ich nie wieder irgendwas kriminelles gemacht und meine Sozialprognose seitens Bewährungshelferin und auch Psychiaterin ist absolut positiv. Ich möchte unbedingt in der Branche bleiben und würde jetzt auch gern den Meister dranhängen und bin hochmotiviert das zu schaffen.
Was mich aber wirklich hemmt, ist diese Vorstrafe die eben bei jeder Überprüfung meiner Person rauskommt. Ich habe Angst, danach keinen Job zu finden oder gar ein Berufsverbot zu bekommen, falls das möglich ist.

Meine Fragen wären dann wie folgt:
-Wird ein Kursteilnehmer bevor er den Meister absolvieren kann auch durchleuchtet?
-Habe ich überhaupt Chancen als Meister irgendwo nicht überprüft zu werden, sprich reicht mein Führungszeugnis?
-Kann man ein Berufsverbot bekommen?

Ich erwarte von niemand Mitleid, soll auch nicht so klingen. Da habe ich mich selbst reingeschossen.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir einen Rat geben könntet bzw. meine Fragen beantworten.

MfG Sec1006
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Nemere » 03.06.2017 14:47

1. Ein Kursteilnehmer wird nicht "durchleuchtet". Es gibt auch keine Verpflichtung vor der Meisterprüfung überhaupt einen Kurs zu besuchen.

2. Jeder, die gewerbsmässig Leben oder Eigentum fremder Person bewacht, unterliegt der Zuverlässigkeitsüberprüfung (§ 34 a GewO). Das eigentlich sollte man als ausgebildete Fachkraft Schutz und Sicherheit wissen! Dazu wird eine unbeschränkte Auskunft aus dem Bundeszentralregister eingeholt.
Das Führungszeugnis hat keinerlei Bedeutung!

3. Für die Aufnahme von Vorstrafen in die unbeschränkte Auskunft sind die Tilgungsfristen nach $ 46 BZRG maßgeblich. Es wäre also zu prüfen, ob Deine Vorstrafe in absehbarer Zeit entfernt wird.
Da hier auch bei der Jugendstrafe das Strafmaß und der zugrundeliegende Tatbestand von entscheidender Bedeutung sind, schaust Du am besten selbst nach, was bei Dir zutrifft:
http://www.gesetze-im-internet.de/bzrg/__46.html
Die Frist kann hier zwischen fünf und zwanzig Jahre betragen.

4. Ein strafrechtliches Berufsverbot ist eine Maßregel der Besserung und Sicherung nach § 61 ff. und 70 StGB. Das hätte, wenn es denn überhaupt in Frage gekommen wäre, mit dem Urteil ausgesprochen werden müssen.
Eine Untersagung der Tätigkeit im Sicherheitsgewerbe wegen fehlender Zuverlässigkeit im Sinne des § 34 a GewO und der BewachV ist kein Berufsverbot, weil der Betroffene ja immer noch in Bereichen arbeiten kann, die nicht den Bestimmungen der GewO unterliegen (firmeneigener Werkschutz usw.).
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon sec1006 » 03.06.2017 15:36

Vielen Dank für die rasche Antwort.
Also ich meinte nun die Weiterbildung an sich zum Meister. Ob man dort eben überprüft wird bevor man die Prüfung bei der IHK ablegen kann.
Was mich nur bis heute stutzig macht ist die Tatsache, dass ich normalerweise hätte auch abgelehnt werden müssen. Im Bundeszentralregister steht ja sicher was drin und auch andere potentielle Mitarbeiter wurden immer wieder abgelehnt, weil es an der "weißen Weste" gescheitert ist.

Einen Fall kenne ich, da wurde ein Mitarbeiter auch nach der Ü2 die bei mir ebenso durchgeführt wurde abgelehnt und konnte beim Kunden nicht eingesetzt werden, hat dann aber das Angebot bekommen, genau diese Objekte des Kunden vom Büro aus zu verwalten. Es liegt also am Ende des Tages immer noch bei der Firma ob sie mich dennoch beschäftigen wollen? Vielleicht nicht bei dem Kunden, Sie sind aber nicht per Rechtswegen gezwungen mir zu kündigen?

Okay also habe ich das zusammenfassend richtig verstanden, dass ich durchaus den Meister machen kann ohne Angst haben zu müssen, nicht zur Prüfung zugelassen zu werden und sollte ich dann eine Firma mit einem firmeneigenen Werkschutz finden, welche diesen Auszug aus dem BZR nicht abfragt oder ich eine Firma finde, in der ich vielleicht nicht beim Kunden eingesetzt werde, sondern in der Verwaltung wie im obigen Beispiel, ich doch noch Chancen habe in der Branche weiterzukommen? Und ich mir keine Sorgen um ein Berufsverbot machen muss? (Der Richter hat dies definitiv nicht ausgesprochen.)
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Wolperdinger » 03.06.2017 15:44

Die Sicherheitsüberprüfung, hier SÜ2, hat nichts mit der Prüfung der Zuverlässigkeit im Sinne der Gewerbeordnung zu tun. Maßgeblich hierfür ist das SÜG. Wann und wieso eine SÜ durchgeführt wird kannst du hier nachlesen, auch etwaige Gründe, was einem positiven Bescheid entgegenwirkt: VS

Wenn du also das Objekt nun vom Büro aus verwaltest oder verwalten könntest, dann hast du dort sicherlich keinen Zugriff auf klassifizierte Dokumente/Dateien. Trotzdem halte ich es für bedenklich, da hier grundsätzlich auch das Sicherheitskonzept an sich eingestuft sein sollte.
Grußi

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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon sec1006 » 03.06.2017 15:57

Danke auch Ihnen für die schnelle Antwort!
Der Kunde um den es damals ging, hantierte mit sensiblen Daten. Außerdem erinnere ich mich, dass der Herr der mich einstellte immer wieder betonte, dass der Kunde (große amerikanische Firma) viel Wert auf die Sicherheit legt, was man den Amis da ja auch immer wieder nachsagt.
Ist es denn möglich, dass ich mit meiner Strafe durch eine Ü2 wie geschehen immer rasseln würde, aber bei meiner Firma der ich nur das Führungszeugnis vorlegte und die mich normalerweise gemäß Gewo überprüft haben müssten, der Daumen doch nach oben geht? Tut mir leid für die vielen Fragen, bin halt gerade an einem ganz entscheidenden Punkt meiner beruflichen Zukunft angelangt und will einfach nichts dem Zufall überlassen und genau wissen, was geht und was nicht.
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Wolperdinger » 03.06.2017 16:18

Eine SÜ ist durchzuführen, wenn du Zugang zu Verschlusssachen hast: Sicherheitsempfindliche Tätigkeit. Verschlusssachen sind: Verschluss.

Ich fürchte, diese Tätigkeit wird dir langfristig verwehrt sein.
Grußi

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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Wolperdinger » 03.06.2017 16:19

Sofern du in deiner Tätigkeit keinen Zugang zu Verschlusssachen hast, dürfte dies kein Problem sein.
Grußi

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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Nemere » 03.06.2017 17:53

sec1006 hat geschrieben:
Okay also habe ich das zusammenfassend richtig verstanden, dass ich durchaus den Meister machen kann ohne Angst haben zu müssen, nicht zur Prüfung zugelassen zu werden und sollte ich dann eine Firma mit einem firmeneigenen Werkschutz finden, welche diesen Auszug aus dem BZR nicht abfragt oder ich eine Firma finde, in der ich vielleicht nicht beim Kunden eingesetzt werde, sondern in der Verwaltung wie im obigen Beispiel, ich doch noch Chancen habe in der Branche weiterzukommen? Und ich mir keine Sorgen um ein Berufsverbot machen muss? (Der Richter hat dies definitiv nicht ausgesprochen.)


Ja - das ist richtig verstanden.
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon sec1006 » 03.06.2017 19:55

Dann bedanke ich mich erstmal für die raschen Antworten.

MfG Sec1006
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Peter S. » 04.06.2017 10:11

Zur Thematik kann ich leider nichts hilfreiches beitragen, möchte aber dennoch meinen Respekt für den erwachsenen Umgang mit dem eigenen Fehler ausdrücken, auch wenn ich den wiederum nicht ansatzweise nachvollziehen kann. Aber es ist gut, wenn man aus Fehlern lernt und sich weiterentwickelt.
Viel Erfolg!
Peter S.
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon Tom511 » 06.06.2017 16:04

Guten Nachmittag zusammen,

aus meiner Sicht spreche doch nichts gegen eine administrative Tätigkeit, also die Verwaltung / Einsatzleiter / Dispo.

"2. Jeder, die gewerbsmässig Leben oder Eigentum fremder Person bewacht, unterliegt der Zuverlässigkeitsüberprüfung (§ 34 a GewO). Das eigentlich sollte man als ausgebildete Fachkraft Schutz und Sicherheit wissen! Dazu wird eine unbeschränkte Auskunft aus dem Bundeszentralregister eingeholt.
Das Führungszeugnis hat keinerlei Bedeutung!"

Fällt ja hierdurch weg. Der AG wird aber dennoch eine Meldung an das OA zur Überprüfung geben.

Wie seht ihr das?

Tom
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Re: Mit Vorstrafe Meister machen

Beitragvon hmoerser » 08.06.2017 09:27

Ich denke, daß eine Jugendstrafe in einigen Jahren milder beurteilt wird, das wird aber von der Meinung/Einstellung des jeweiligen Sachbearbeiters des zuständigen OA oder Landratsamt abhängen.

Ansonsten würde ich beim jetzigen Arbeitgeber bleiben und den Meister machen und aufsteigen, dann erledigt sich die Fragestellung. Oder man geht das Risiko beim Wechsel ein.
hmoerser
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