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Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

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Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon D_R » 25.01.2018 14:11

Hallo Leute,

bis zum 31.12.2018 kommt bei uns in Deutschland das Nationale Bewacherregister. In dem Register werden alle Unternehmer und Bewachungspersonal erfasst sein. In dem Register wird z.B. stehen, ob jemand die Unterrichtung oder die Sachkunde hat bzw. über eine Qualifikation als Bewacher verfügt. Zitat aus dem 1. Informationsbrief: "Wesentliche Nutzer des Bewacherregisters werden die §34a-Behörden und Gefahrenabwehrbehörden sein."

Ich bin der Meinung, dass hier ein großes Problem auf uns zukommt, denn ich bin der Meinung, dass die Sicherheitsbranche vor allem dann effektiv arbeiten kann, wenn eben nicht alle Details bekannt sind, Stichwort "security by obscurity". In der IT funktioniert das Prinzip zwar nicht, in der realen Welt ist er aber ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor.

Ich möchte hier mal ein Beispiel zeigen, den wir gerade bearbeiten:
Ein Bewachungsunternehmen wird eingesetzt, um ein See-Fest eines Dorfes zu bewachen. Gegen Ende der Veranstaltung tauchen Personen auf, die als Laufburschen in der Rocker-Szene bekannt sind. Bei Veranstaltungsende mischen diese Leute den Sicherheitsdienst auf - auf beiden Seiten kommt es zu Verletzungen. Unter anderem bekommt der Chef der Bande eins auf die Nase. Noch vor Ort verlangt er vom Sicherheitsdienst die Auskunft denjenigen zu benennen, der ihm auf die Nase geschlagen hat "um ihn zu töten".

In den kommenden Tagen und Wochen werden einige Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes unter deren privater Wohnanschrift aufgesucht. Sie werden bedroht und einige sogar zusammengeschlagen. Frage: Woher haben die Leute die privaten Daten?

Es stellte sich heraus, dass die Daten an drei Orten vorhanden sind: Auf den Rechnern der Firma, beim Steuerberater und bei der Stadt. Wir selbst haben die IT-Forensische Untersuchung der Rechner der Firma und des Steuerberaters übernommen, aber nichts gefunden. Blieb nur eine Stelle übrig. Auf dem kurzen Dienstweg haben wir aber erfahren, dass sich die Daten im städtischen IT-Netz befinden und ALLE Rechner in dem Netz darauf theoretisch Zugriff haben können.

Wenn das Register nun eingeführt wird, dann gibt es noch mehr potentielle Angriffsstellungen auf die Daten. Selbst im Bereich der Veranstaltungssicherheit ist dies ein Problem. Wir selbst sind aber im Bereich von Geld- und Werttransporten tätig. Und hier ist das Risiko besonders hoch, denn wenn ein Angreifer weiß, dass er bei einem Angriff mehrere Millionen Gewinn machen kann, hat er genug Spielraum um an die Daten der Mitarbeiter zu kommen und diese zu bestechen bzw. auch zu bedrohen.
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Wolperdinger » 25.01.2018 17:45

D_R hat geschrieben:Es stellte sich heraus, dass die Daten an drei Orten vorhanden sind:

Dann waren eure Ermittlungen feherhaft. Die privaten Adressen der Betroffenen sind weiter gespeichert

    beim Finanzamt
    bei der Sozialversicherung
    beim Arbeitsamt (eingeschränkt)
    bei der Krankenversicherung

jeweils filterbar mit dem Unternehmen. Weitere Speicherorte (z. B. IHK) sind mit Bezug zum Unternehmen denkbar. Hier müsste man die Einzelpersonen befragen bzw. hängt es vom Einzelfall ab.
Die Festplatten des Unternehmens und des Steuerberaters zu prüfen, ist mE nur ein "Schuss ins Blaue" in der Hoffung einen Zufallsfund zu generieren. Warum nicht? Wenn der AG nach eingehender Beratung mit Blick auf das wahrscheinlich negative Ergebnis zustimmt.

Darüber hinaus sind für Internetermittler die Personaldateien oder Auszüge davon von einigen Firmen im Internet frei einsehbar, weil schlicht die Zugriffsrechte falsch konfiguriert sind. Von den SN mag ich gar nicht anfangen ...

Fazit: Eine Datei mehr oder weniger macht hier mE nichts aus.
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Frank » 25.01.2018 20:52

Hallo,


unsere Kiddys und ihre Computer :mrgreen:

Dabei geht es viel einfacher und Vater Staat unterstützt die bösen Buben sogar tatkräftig dabei.

Mna stellt einfach einen Strafantrag bei der Polizei und schon finden sich die Namen und Anschriften schön säuberlich in den Akten wieder.

Da braucht es nur ncoh einen Anwalt (den sich die bösen Buben locker leisten können) und schwups habe ich die Adressen.
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Wolperdinger » 26.01.2018 13:23

Frank hat geschrieben:Mna stellt einfach einen Strafantrag bei der Polizei und schon finden sich die Namen und Anschriften schön säuberlich in den Akten wieder.

Das ist natürlich der Königsweg 8)
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon D_R » 26.01.2018 14:13

Wolperdinger hat geschrieben:
Frank hat geschrieben:Mna stellt einfach einen Strafantrag bei der Polizei und schon finden sich die Namen und Anschriften schön säuberlich in den Akten wieder.

Das ist natürlich der Königsweg 8)


Mit dem Bewachregister auf jeden Fall.
Vorher nicht!
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Frank » 26.01.2018 22:45

Hallo,

Vorher nicht!


Dazu empfehle ich den Blick in den § 406 e Abs. 1 StPO – Akteneinsichtsrecht des Geschädigten


Vom Schmiermichel mal ganz abegsehen, wie gesagt man braucht keine Computer um etwas heaus zu finden,
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon D_R » 27.01.2018 00:34

Frank hat geschrieben:Dazu empfehle ich den Blick in den § 406 e Abs. 1 StPO – Akteneinsichtsrecht des Geschädigten


Und wenn in der Akte nichts steht, dann...................
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Wolperdinger » 27.01.2018 01:22

D_R hat geschrieben:Mit dem Bewachregister auf jeden Fall.
Vorher nicht!

:roll: :roll:
Aha ... dann erläutere mir doch bitte mal den Zusammenhang zwischen Bewachregister und Ermittlungsakte.
Grußi

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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon D_R » 27.01.2018 01:57

Wolperdinger hat geschrieben:Aha ... dann erläutere mir doch bitte mal den Zusammenhang zwischen Bewachregister und Ermittlungsakte.


Heute fragt die Polizei bei der Firma an: Wer hatte an dem Tag Dienst, bitte einmal die Personalen mit den Anschriften. Gegen diese Anfrage gibt es diverse Möglichkeiten sich zu wehren. Mehr dazu werde ich nicht sagen, es gibt genug Material von Strafverteidigern, die entsprechende Strategien offenbaren.

Und mit dem Bewachregister? Evtl. fragt die Polizei erst einmal genauso bei der Firma an, wer Dienst hatte. Da die Datenbank den Gefahrenabwehrbehörden zugängig ist, wird was der nächste Schritt sein? Ja, sie holen sich einfach die Daten aller Beschäftigten aus diesem Register. Und spätestens jetzt sind die Daten in der Ermittlungsakte.
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Wolperdinger » 27.01.2018 11:40

@D_R
Du weisst aber schon, was eine Ermittlungsakte ist :?: :?:
Grußi

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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Frank » 27.01.2018 17:16

Hallo Wolperdinger,,

nein, ich glaube der kennt nicht einmal die vielen Möglichkeiten eines solchen.

Die Polizei muss jeder bei ihr eingehenden Anzeige nachgehen, wenn sich daraus der Anhaltspunkt für ein strafbares Handeln ergibt.
Ab diesem Zeitpunkt beginnt ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt zu laufen, bis man den Täter ermittelt oder das Verfahren eingestellt wird.

Im Beispielfalle ergäbe sich aus den Zeugenbeschreibungen, das der Täter wohl bei der Firma
Wuff-Wuff Sicherheit arbeitet.

Also werden sich Polizeibeamte zur Wuff-Wuff begeben und dort ermitteln, dergestallt daß man wegen eines Vorfalles am Bierzelt (oder ähnlichem) die dort eingesetzten MA befragen müsse und um deren Anschriften bittet.

Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten
a) der Firmenchef verweigert die Adressen
b) er gibt sie heraus

Im Falle zu a) fahren die Beamten dann halt wieder und auf der Wache wird dann ein sogenanntes
Amtshilfeverfahren an das zuständige Ordnungsamt gerichtet,mit der Bitte,eine Liste aller MA der
Wuff-Wuff im Alter von bis (wie in der Anzeige beschrieben) zu übersenden.

Und schon sind am näcshten Tage alle MA mit Namen und Anschrift in der Ermittlungsakte.

Und dagegen würde selbst Rolf Bosssi nichts machen können, weil zu diesem Zeitpunkt nämlich noch gegen unbekannt ermittelt wird



Erst durch die weiteren Ermittlungen wird dann der "Täter" ersichtlich,wobei er vom Gesetz (Unschuldsvermutung !) in den Akten als Beschuldigter bezeichnet werden muß.

Denn erst wenn die Polizei der Meinung ist, genügend Beweismaterial gesammelt zu haben, erfährt der
Beschuldigte durch seine Vernehmung bei der Polizei, was ihm zur Last gelegt wird.
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon D_R » 27.01.2018 17:32

Frank hat geschrieben:a) der Firmenchef verweigert die Adressen
b) er gibt sie heraus

Das Thema hatten wir schon mal hier im Forum.

Frank hat geschrieben:Im Falle zu a) fahren die Beamten dann halt wieder und auf der Wache wird dann ein sogenanntes
Amtshilfeverfahren an das zuständige Ordnungsamt gerichtet,mit der Bitte,eine Liste aller MA der
Wuff-Wuff im Alter von bis (wie in der Anzeige beschrieben) zu übersenden.
Und schon sind am näcshten Tage alle MA mit Namen und Anschrift in der Ermittlungsakte.


Bei mir in der Firma gab es zwei Fälle. Und ich kenne persönlich vier weitere Unternehmer aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Bremen, die eine Weitergabe der Adressen verweigert haben. In keinem Fall ist die Polizei an das Ordnungsamt herangetreten.

Und wenn das Ordnungsamt vernünftig arbeitet, wird es sich auf das BDSG berufen und die Herrschaften wieder wegschicken.
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Frank » 27.01.2018 22:15

Hallo D.R,

Bei mir in der Firma gab es zwei Fälle. Und ich kenne persönlich vier weitere Unternehmer aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Bremen, die eine Weitergabe der Adressen verweigert haben. In keinem Fall ist die Polizei an das Ordnungsamt herangetreten.


Zum Thema Zusammenarbeit und so sage ich jetzt mal nix, aber das:
In keinem Fall ist die Polizei an das Ordnungsamt herangetreten


Darüber wirst weder DU (noch die jeweilige Security-Firmen) informiert.

Dazu empfehle ich dir den § 161 der StPO, der jede Behörde verpflichtet, einen Auskunftsersuchen der StA (bzw. deren langen Arm,der Polizei) nachzukommen und das beinhaltet auch persönliche Daten.

Im Zweifelsfall hilft der liebe Gott ,Ermittlungsrichter genannt, nach 8)
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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Wolperdinger » 27.01.2018 23:53

D_R hat geschrieben:Mit dem Bewachregister auf jeden Fall.
Vorher nicht!

Ich weiß jetzt immer noch nicht, warum "Vorher nicht!"
Mal so nebenbei: § 28 BDSG lesenswert ab Absatz 2 :wink:
Wobei auch hier noch ein paar Dinge zu beachten sind.
Grußi

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Re: Unsicherheit durch das Nationale Bewacherregister

Beitragvon Wolperdinger » 29.01.2018 12:35

Ich frag mich grad, wie das System Justiz bislang immer funktionierte. Wie konnten die immer die Beschuldigten und Zeugen laden, wenn in der Ermittlungsakte nichts steht 8) :|
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