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Mündliche Ergänzungsprüfung

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Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Sinfin » 13.01.2014 19:13

Hallo miteinander,


ich habe im Sommer letzten Jahres meine Prüfungen für meine Lehre zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit abgelegt. Davon konnte ich das fallbezogene Gespräch und drei der vier schriftlichen Prüfungen mit ausreichend bis gut bestehen....bis auf die Rechtsgrundlagen (27 Punkte).

Daraufhin wurde ich aus anderen Gründen entlassen von meinem Lehrbetrieb, sodass ich die Lehre als Privatperson ohne Betriebszugehörigkeit absolvieren konnte. Mit 65 Euro Prüfungsteilnahmegebühr für die 1. Wiederholungsprüfungen in den Rechtsgrundlagen. Doch dummerweise versagte ich auch hier wieder mit nur 37 Punkten. Da ich aber die anderen Prüfungen gut bestand, habe ich so die Möglichkeit am kommenden Donnerstag die Möglichkeit durch eine mündliche Ergänzungsprüfung meine Lehre nun endlich mal zu beenden.

Doch dazu habe ich 2 Fragen:

Ich war ca. ein halbes Jahr lang arbeitslos bis ich meine 1. Wiederholungsprüfung machen konnte. Ich habe keine Schulbücher mehr da ich die ja abgeben musste und direkt von meinem Betrieb habe ich keinerlei Dinge gelernt weil es mir regelrecht verweigert wurde mir etwas beizubringen. Das heißt, ich musste mir aus dem Internet alle möglichen Strafbarkeiten zusammensuchen, die auf einen Zettel notieren und lernen. Also bsw. wie "Sachbeschädigung = § 303 StGB". Also kurzum - ich weiß immer noch nicht genau, was ich zu lernen habe bzw. prüfungsrelevant ist.
Doch mal davon abgesehen....wie muss ich mir denn eine mündliche Ergänzungsprüfung denn überhaupt vorstellen? Ist es so wie in der schriftlichen, nur das einer aus der Prüfungskommission mich fragt: "Person A hat Person B ohne Grund niedergeschlagen. Welche Straftat hat A begangen?" und ich daraufhin mit der Straftat antworte? Ich habe keinerlei Ahnung was mich da erwarten könnte.

Und die 2. Frage:

Scheinbar bin ich zu blöd, oder habe nur einen Knoten im Hirn...doch ich verstehe die Bewertung nicht. Die schriftliche Prüfung zählt doppelt so viel wie die mündliche...soviel habe ich verstanden. Doch was heißt das konkret in meinem Fall mit 37 Punkten aus der schriftlichen Wiederholungsprüfung? Was muss ich denn nun erreichen? Es tut mir leid und ist mir auch peinlich...aber ich stehe absolut auf dem Schlauche.


So, ich hoffe jemand kann mir weiterhelfen. Vielen Dank für eure Antworten - jetzt schon.
Sinfin
 

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Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Nemere » 13.01.2014 20:54

Für die Ergänzungsprüfung gilt:
Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2 : 1 zu gewichten.

Du musst im Fach Recht mindestens 50 Punkte erreichen, um zu bestehen. Bei einer Gewichtung in der Ergänzungsprüfung von 2:1 wird daher dieses Mindestergebnis mal 3 genommen (2 Teile plus 1 Teil), ergibt 150 Punkte. Von diesen 150 Punkten wird das bereits erzielte schriftliche Ergebnis abgezogen, der verbleibende Rest ist die Punktzahl, die Du in der Ergänzungsprüfung erreichen musst.
Die Berechnung ist in Deinem Fall also folgende:
- schriftliches Ergebnis 37 Punkte x 2 = 72 Punkte
- Diese 72 Punkte werden jetzt von der Punktzahl 150 abgezogen:
150 - 72 = 78.
- Du musst also in der Ergänzungsprüfung 78 Punkte erreichen.

Die Ergänzungsprüfung dauert ca. 15 Minuten, langwierige Fallschilderungen verbieten sich daher aus Zeitgründen eigentlich. Es können Fragen aus dem gesamten Stoffumfang Recht gestellt werden.

Als Prüfer frage ich z.B. gerne
1. Begriffe „Betriebsvereinbarung“ und „Freiwilliger Unterwerfungsakt"
2. Voraussetzungen § 229 BGB
3. Voraussetzungen Besitzdienerschaft
4. Welche Schuldausschließungsgründe kennen Sie?
5. Unterschied Angreifender Notstand / Verteidigungsnotstand
6. Wie unterscheiden sich Diebstahl - Raub -Unterschlagung
7. Unterschied Raub und Erpressung
8. Unterscheidung Brandstiftung - schwere Brandstiftung - besonders schwere Brandstiftung.
9. Was ist Begünstigung im Vergleich zu Strafvereitelung.
10. Merkmale einer Straftat
11. Einteilung der Straftaten, Vorsatz, Fahrlässigkeit
12. Deliktsarten,
13. Grundlagen der Strafbarkeit, Täterschaft und Teilnahme,
14. Rechtfertigungsgründe, Garantenstellung
15. Warum gibt es sowohl im BGB wie im StGB Notwehr bzw. Notstands-Paragraphen?
16. Voraussetzungen der vorläufigen Festnahme nach § 127 Abs. I StGB
17. Was ist "öffentliches Recht" und was "Privatrecht"? Wenn ich als Sicherheitsfirma einen Dienstvertrag mit einer Stadtverwaltung schließe, ist das dann öffentliches Recht oder Privatrecht? Was ist überhaupt Dienstvertrag?
18. Tatbestandsmerkmale des Diebstahls
19. qualifizierende Tatbestandsmerkmale des besonders schweren Diebstahls
20. Definition des Tatbestands der "Leistungserschleichung".

Das ist aber nur ein ganz kleiner Teil der möglichen Fragen!!
Nemere
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Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Sinfin » 13.01.2014 20:59

Ach du Sch..... :(

Naja trotzdem danke für die Antwort.
Sinfin
 

Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Sinfin » 13.01.2014 21:28

Ich verstehe ehrlich gesagt immer noch nicht, wie du auf die 150 Punkte insgesamt kommst, sorry. :?
Sinfin
 

Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Nemere » 13.01.2014 21:44

Du brauchst 50 Punkte, um in Recht zu bestehen.

Das schriftliche Ergebnis zählt 2 - fach.

Das Ergebnis der Ergänzungsprüfung zählt 1-fach.

Wir haben also insgesamt eine dreifache Wertigkeit ( 2 plus 1).

Ich nehme daher das erforderliche Mindestergebnis von 50 Punkten mal drei.

3 x 50 = 150.

Davon ziehe ich das mal 2 genommene Ergebnis der schriftlichen Prüfung ab:
2 x 37 = 74 (72 oben war ein Flüchtigkeitsfehler).

Diese 74 Punkte ziehe ich nun von den 150 Punkten ab:
150 - 74 = 76 Punkte, die für die Ergänzungsprüfung erforderlich sind.
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Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Sinfin » 13.01.2014 21:52

Und du bist tatsächlich ein IHK Prüfer? Und deine Rechnung ist bundesweit einheitlich, also auch für mein Sachsen?
Sinfin
 

Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Nemere » 14.01.2014 07:27

Ich bin Prüfer bei einer IHK, wenn auch nicht in Sachsen.

Die Rechnung ergibt sich aus der Ausbildungsordnung für die Servicekraft vom 21.Mai 2008, § 6 Abs. 10 (Abschlußprüfung):
"(10) Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der mit schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereiche, in denen Prüfungsleistungen mit eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich zu erbringen sind, durch eine mündliche Prüfung von etwa 15 Minuten zu ergänzen, wenn dies für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2 : 1 zu gewichten."

Die Ausbildungsordnung kannst Du hier nachlesen:
http://www.gesetze-im-internet.de/schsiservausbv/
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Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Sinfin » 14.01.2014 11:08

Ich glaube, ich habe es irgendwie ausreichend verstanden. Vielen Dank dafür!

Eine Frage habe ich noch: Ist es umbedingt notwendig (zumindest in deinem Fall), dass man umbedingt die Paragraphen, sowie die entsprechenden Gesetzesbücher kennen und nennen muss?
Sinfin
 

Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Nemere » 14.01.2014 20:17

Sinfin hat geschrieben:Ist es umbedingt notwendig (zumindest in deinem Fall), dass man umbedingt die Paragraphen, sowie die entsprechenden Gesetzesbücher kennen und nennen muss?


Es ist für mich nicht entscheidend, ob jemand weiß, das der Diebstahl der Paragraph 242 des StGB ist. Aber die Tatbestandsmerkmale des Diebstahls (und der anderen Rechtsgrundlagen) müssen abrufbereit vorhanden sein.
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Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Sinfin » 16.01.2014 10:13

Mein lieber Nemere,

Ich habe gerade die Prüfung bestanden und dafür hast du zu einem großem Teil beigetragen! Vielen vielen Dank für deine Hilfe! :)
Sinfin
 

Re: Mündliche Ergänzungsprüfung

Beitragvon Nemere » 16.01.2014 11:40

Ist gerne geschehen.

Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung!
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