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Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeiter?

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Re: Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeite

Beitragvon Nemere » 30.11.2017 19:05

So interessant die Diskussion um die "Pflicht"- Schießübungen im Sicherheitsdienst auch sein mag - die eigentliche Frage war doch "ob ab 2018 das Verteidigungsschießen für Geld- und Werttransport Mitarbeiter Pflicht wird".

- Hat darüber jemand tragfähige Informationen?
- Gibt es dazu irgendeine gesetzliche oder Verordnungsgrundlage?
- Gibt es dazu Weisungen von den zuständigen Behörden?
- Gibt es dazu nachvollziehbare Quellen?
- Wie definieren diese Weisungen (so es sie denn gibt) den Begriff "Verteidigungsschießen"? Aus dem Waffengesetz kenne ich nur das "kampfmäßige Schießen", das gem. § 27 Abs. 7 WaffG auf Schießstätten nicht zulässig ist. Greift man hier auf die Regelungen der §§ 22 ff. AWAffV i.V.m. § 7 AWaffV zurück?
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Re: Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeite

Beitragvon Peter S. » 30.11.2017 21:42

Nemere hat geschrieben:- Hat darüber jemand tragfähige Informationen?
- Gibt es dazu irgendeine gesetzliche oder Verordnungsgrundlage?
- Gibt es dazu Weisungen von den zuständigen Behörden?
- Gibt es dazu nachvollziehbare Quellen?


Meinem Kenntnisstand nach handelt es sich um eine Weisung des IM NRW. Physisch gesehen habe ich diese nicht und kenne sie nicht im Wortlaut, kenne aber mittlerweile mehrere Betroffene, die das Erbringen eines solchen Nachweises als Auflage innerhalb einer gesetzten Frist nach Neuerteilung eines Waffenscheins oder als Auflage zur Verlängerung eines Waffenscheins von unterschiedlichen Waffenbehörden in NRW erhalten haben.
Üblicherweise werden interne ministeriale Weisungen aber nicht veröffentlicht, ausser es "leakt" mal jemand was Schriftliches. Das ist vermutlich auch nur eine Frage der Zeit.

Den Anspruch auf einen Nachweis einer ausreichenden Befähigung zur Wahrnehmung bewaffnet durchzuführender Bewachungsaufträge leitet man vermutlich aus Nr. 28.1.2 WaffVwV ab.

Nemere hat geschrieben:
- Wie definieren diese Weisungen (so es sie denn gibt) den Begriff "Verteidigungsschießen"? Aus dem Waffengesetz kenne ich nur das "kampfmäßige Schießen", das gem. § 27 Abs. 7 WaffG auf Schießstätten nicht zulässig ist. Greift man hier auf die Regelungen der §§ 22 ff. AWAffV i.V.m. § 7 AWaffV zurück?


Ja.

Aus der AWaffV §7 Abs. 1 ergibt sich die Abgrenzung zwischen sportlichem Schiessen als linker Grenze und den Schiessübungen, die grundsätzlich im Schiesssport verboten sind, für Lehrgänge zur Ausbildubg in der Verteidigung mit Schusswaffen aber zulässig sind. Die rechte Grenze ist dann die Verwendung von Hindernissen und Übungseinbauten, "die der Übung über den Zweck der Verteidigung der eigenen Person oder Dritter hinaus einen polizeieinsatzmäßigen oder militärischen Charakter verleihen".

Schwerpunktmäßig geht es den Behörden wohl darum, dass der Betroffene einen Nachweis über Fähigkeiten erbringt, die sowohl einen sicheren Umgang mit Schusswaffen jenseits des statischen Schiessens zeigen als auch den Umgang mit Deckungen, Schiessen in der Bewegung und das schnelle und sichere Reagieren auf plötzlich auftauchende Bedrohungen beinhalten. So sollte das zumindest bei einem der Betroffenen im Lehrgangszeugnis formuliert werden.

Was genau dann im Detail durchgeführt wird bzw. werden sollte, davon hat die Waffenbehörde vermutlich keinerlei Ahnung und liegt wieder in der Gestaltungsmöglichkeit des Veranstalters und/oder Ausbilders des Lehrgangs (und trägt damit wieder die Gefahr einer stark schwankenden Qualität in sich). Irgendwelche Vorgaben zu Übungen, Zeiten oder gar geforderten Trefferergebnissen habe ich bisher nicht vernommen - ob das sinvoll wäre, stünde dann eh' erstmal zur Diskussion und ist IMHO stark von Art des Auftrags und der zu erwartenden Lage ab (ein P-Schützer oder ggf. das PS-Team sollte eben etwas anderes üben als der GWT-Fahrer und sein Partner).
Peter S.
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Re: Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeite

Beitragvon Peter S. » 30.11.2017 21:49

Wolperdinger hat geschrieben:... achso ... und der Einsatz von Revolvern ist deshalb geboten, weil die ihnen eigene Technik eine geringere Anzahl an Fehlbedienungen zulässt.


Das will ich zwar nicht kategorisch als falsch bezeichnen (auch wenn ich die Differenz als marginal betrachte und im Rahmen einer ausreichenden Ausbildung im Verteidigungsschiessen (als Abgrenzung zum gelegentlichen homöopatischen "Peng Peng" auf dem Schiessstand) für vollkommen vernachlässigbar), halte den dahinterstehenden Gedanken aber für vollkommen falsch und spätestens ab irgend einem Punkt für gefährlich.

Wie bereits gesagt: Dort, wo das vom Niveau her ansatzweise eine Relevanz hätte, sollte man die Schusswaffe am besten gleich durch technische Sicherungssysteme ersetzen, denn mit Notwendigkeit und Ernsthaftigkeit der Durchführung bewaffneter Bewachungsaufträge ist es da scheinbar nicht weit her.
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Re: Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeite

Beitragvon Wolperdinger » 01.12.2017 15:28

@Nemere
Du hast recht. Es gleitet ein wenig ab. Ich hab grad ein wenig nachgeblättert in AWaffV und WaffVwV. Konkret lässt sich da nix herauslesen. Auch in den BGBl. ist dazu nix aufgeführt. Mir fällt da aber noch ein Urteil des VG Arnsberg aus 2011 ins Auge, das eine solche Pflicht verneint.

Ich denke mal, es handelt sich um eine länderspezifische Auslegung.

@Peter
Ich bin in Bezug auf Revolver ganz bei dir. Ich/Wir spreche(n) vom Einzelschützen nach homöopatischen "Peng Peng". Und selbstverständlich ist es der falsche Ansatz.
Grußi

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Re: Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeite

Beitragvon Nemere » 01.12.2017 17:06

Danke für den Hinweis auf das Urteil.
Bei genauer Lektüre stellt man fest, das der Kläger in seinem Waffenschein neben einem .38 Revoler auch eine Pistole 6,35 mm eingetragen hatte. Wenn die Behörde auch nur ein wenig Sachverstand besitzt, hätte sie viel eher der Waffenschein für diese Spielzeugpistole verweigern sollen. Eine Westentaschenpistole 6,35 ist nun wahrlich keine geeignete Waffe für das Verteidigungsschießen.
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Re: Verteidigungsschießen Pflicht ab 2018 für GWT Mitarbeite

Beitragvon Wolperdinger » 02.12.2017 16:40

Der Betroffene scheint mir hier insgesamt nur einen Pyrrhussieg errungen zu haben. Nach dem Urteil wäre es nicht verwunderlich, wenn die Erlaubnisbehörde seinen Waffenschein im Nachgang auf den Prüfstand gestellt hätte. :wink:
Grußi

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