Verhalten bei Terroranschlägen und Amoklagen Run! Hide! Fight!

Die Ratschläge der Behörden


Die Aussagen der Behörden sind bundesweit nahezu einheitlich. Privatpersonen sollen bei Terroranschlägen weglaufen oder sich verstecken.


Da in Deutschland der überwältigend größte Teil aller Privatpersonen unbewaffnet sind und auch weder in Selbstverteidigung noch in sonstigen Überlebenstechniken ausgebildet sind ist dieser Ratschlag auch sehr sinnvoll.


Bewaffnete „civilian first responders“ nach US-amerikanischem Vorbild, also privates bewaffnetes Personal, dass bereits erste Maßnahmen treffen kann bis die Polizei eintrifft, gibt es in Deutschland nicht und ist auch langfristig nicht geplant.


In den sozialen Medien kam die Diskussion auf, was man tun sollte, wenn man als Sicherheitsmitarbeiter während der Arbeit in ein solches Szenario gerät.

Zum Beispiel, wenn man in einem Einkaufszentrum eingesetzt ist und dort ein Amoklauf stattfindet oder wenn das eigene Bewachungsobjekt von bewaffneten Kräften angegriffen werden sollte.


Verhalten bei terroristischen Anschlägen und Amoklagen


Die Abwehr terroristischer Attacken oder Amoklagen ist Aufgabe der Polizei. Private Sicherheitskräfte sind in Deutschland weder psychologisch noch taktisch geschult, geschweige den ausgerüstet um einen solchen Angriff abzuwehren.

Eine Ausnahme mögen hier die bewaffneten Objektschutzkräfte kerntechnischer Anlagen oder Personal bei der Militärbewachung sein. Doch selbst dieses Personal ist, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt in der Lage ein solches Szenario zu beenden.


Erste Priorität für das Sicherheitspersonal in einer solchen Situation ist das Alarmieren der Polizei und das Absperren und Räumen der gefährdeten Bereiche.


Run! Hide! Fight!


Bei allen „Active Shooter Scenarios“, also Situationen wie Amokläufen oder terroristischen Angriffen mit Schusswaffen gilt die Regel RUN – HIDE – FIGHT! (engl. „rennen! – verstecken! – kämpfen!“).



RUN / Flucht:

  • Wenn du dem Tatort entkommen kannst, versuche zu fliehen.
  • Verletzte Personen nur mitnehmen, wenn dies ohne Lebensgefahr möglich ist.
  • Ausrüstung oder private Gegenstände zurücklassen!


HIDE / Verstecken:

  • Wenn eine Flucht nicht möglich ist verstecke dich
  • Schließe dich (am besten mit anderen) in ein Zimmer ein, verschließe die Tür und schiebe Möbel vor die Tür um sie so sicher wie möglich zu verschließen
  • Schalte Mobiltelefone, Funkgeräte oder andere Geräte auf Stumm um nicht durch Funksprüche deine Position zu verraten.

Bleibe Ruhig bis die Polizei die Situation geklärt hat.


FIGHT / kämpfen:

  • Kämpfe nur, wenn dein Leben unmittelbar bedroht ist und es der letzte Ausweg ist.
  • Versuche dann den Angreifer kompromisslos kampfunfähig zu machen.
  • Greife am besten mit anderen zusammen an und benutze improvisierte Waffen (Stühle, Feuerlöscher, Steine, Werkzeuge...)
  • Es geht um dein Leben und nicht um einen ritterlichen Kampf!


Rechtlich wäre es legal, wenn du dich mit Hilfemitteln bewaffnen würdest und versuchst, den Gegner zu stoppen.


Bedenke jedoch, dass du in diesem Fall dein Leben riskierst (und auch höchstwahrscheinlich verlieren wirst).


Indem du anderen Leuten hilfst zu fliehen oder sich zu verstecken, wirst du mehr Menschen helfen können, als wenn du den Helden spielst.


Was macht die Polizei?


Die Polizei teilt das Gelände bei Terror- und Amoklagen in verschiedene Bereiche ein. Dabei orientiert sie sich an den Vorgaben für Großschadensereignisse.


Zuerst wird der Tatort großräumig abgesperrt. In diesem abgesperrten Bereich befindet sich ein sicherer Bereich, ein Gefahrenbereich und der Tatort selbst.

Außerhalb der Absperrung befinden sich der Bereitstellungsraum und Sektorale Bereitstellungen.

Der Bereitstellungsraum ist der Raum in dem Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste Reserven an Personal und Material bereit halten. Sektorale Bereitstellungen sind kleinere Reservetrupps der Hilfskräfte, die an günstigen Punkten um den Abgesperrten Bereich herum stationiert werden. Raumaufteilung bei Terroranschlag und AmoklaufRaumaufteilung bei einem Großschadensereignis

Hilfskräfte die akut nicht benötigt werden halten sich außerhalb des gesperrten Bereiches auf und rücken nur auf Anweisung der behördlichen Einsatzleitung in den Bereich vor.


In den sicheren Bereich selbst haben nur Hilfskräfte (Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst) Zutritt. Dort findet auch eine erste Versorgung von Verwundeten statt, die aus dem Gefahrenbereich gerettet wurden..


Der Gefahrenbereich befindet sich im inneren der Absperrung, nahe am Tatort. Dorthin hat nur die Polizei Zutritt. In der Regel werden dort Sondereinsatzkommandos eingesetzt um den Tatort zu erreichen und um die Bedrohung auszuschalten.


Die Einteilung der Räume kann sich bei einer dynamischen Lage ändern, wenn der Täter sich bewegt. Die endgültige Freigabe des Geländes nach einer Terror- oder Amoklage erfolgt durch die Polizei, nachdem diese überprüft hat, dass sich keine weiteren Täter vor Ort befinden und auch keine „Second Strike“-Vorrichtungen durch die Täter zurückgelassen wurden.

Solche Vorrichtungen können zum Beispiel improvisierte Spreng- und Brandvorrichtungen sein, die mit einem Zeitzünder ausgelöst werden, nachdem die Polizei den Täter gestellt hat und die Lage vermeintlich beendet wurde.


Befindet sich der abgesperrte Bereich auf einem Privatgelände, kann das dort beschäftigte private Sicherheitspersonal beim Absperren und evakuieren helfen.


Handlungshoheit hat aber die Polizei. Diese alleine entscheidet, ob der Werkschutz unterstützt, oder zusammen mit allen anderen Zivilisten das Gelände verlässt.

Zusammenfassung:


  • Terrorabwehr ist Aufgabe der Polizei und nicht von privaten Sicherheitsunternehmen.
  • Wenn sich ein terroristischer Angriff ereignet ist sofort die Polizei zu verständigen und das Gelände so gut wie möglich abzusperren und möglichst zu verlassen.
  • Bei Kontakt mit Straftätern ist nach dem Schema „run – hide – fight“ (fliehen – verstecken - kämpfen) vorzugehen. Fliehe wenn möglich, verstecke dich, wenn du kannst und kämpfe nur wenn es der letzte Ausweg ist.
  • Handlungshoheit hat ausschließlich die Polizei.
  • Der Sicherheitsdienst handelt in einer solchen Situation nur, wenn er durch die Polizei zu einer Maßnahme aufgefordert wurde.


Quellen:

Bayerische Staatskanzlei, Merkblatt zum Verhalten bei Verdacht auf Amoklage [externer link]

Pädagogische Hochschule Heidelberg - Verhaltensempfehlung für Lehrkräfte bei Amoklagen [pps]

Innenministerium Niedersachsen - Bekanntgabe vom 28.02.2017 Rettungsdienstliche Bewältigung von Amok- bzw. Terrorlagen [pdf]

US Departement For Homeland Security - Pocket Card Active Shooter Preparedness [pdf]

Kommentare 2

  • wie immer ein toller Artikel!!!

  • Ich finde das dieses Konzept zu starr gesehen wird und prinzipiell nicht trainiert wird, gerade im Sicherheitsbereich.

    Für ein erfolgreiches ‚Run‘ sollte der Sicherheitsmitarbeiter stets in der Wahrnehmung so geschult/bereit sein Fluchtmöglichkeiten im Blick zu haben und die Bedrohungsrichtung erkennen zu können.


    Nehmen wir zum Beispiel das Einkaufszentrum, der einzelne SM hat immer nur einen kleinen Ausschnitt des ganzen Objektes im Blick, kann aber im Fall eines Angriffs über Geräuschentwicklung und noch intensiver über das Verhalten entfernterer Menschen die Richtung der Welle bestimmen und seine Umgebung sicher in die richtige Fluchtrichtung leiten und ggf. zum Verstecken anleiten.


    Natürlich hat die Polizei die Hoheit was die Führung der Gegenwehr angeht, allerdings darf man nicht vergessen das diese nach Alarmierung mit, in der Regel, sehr wenig Informationen konfrontiert sind.

    Heißt meiner Meinung nach das das ‚Hide‘ gerade des SM nicht zu weit gehen darf um anrückende Polizei gut informieren zu können.


    Und zu guter Letzt sollte man das ‚Fight‘, meiner Meinung nach, etwas großzügiger auslegen. Seltenst haben die Angreifer eine militärische Ausbildung, eher eine Grundschulung, psychologisch betrachtet werden sie mit jedem Getötetem sicherer und steigern sich in einen Flow rein den einige von uns vielleicht vom Motorradfahren oder gar im Auto kennen. Heißt, daß sie langsam in ein Sicherheitsgefühl reinkommen und davor vielleicht noch mit improvisierten Waffen gestoppt werden könnten.


    Dahingehend sollte der SM also auch geschult sein verteidigungsbereite Menschen in seiner Umgebung zu erkennen und einen Überraschungsmoment schaffen können um einzelne Angreifer mit einer kleinen Übermacht ggf. neutralisieren zu können.


    Das wäre optimal für die Gesamtlage und eröffnet die Möglichkeit Verletzen ggf. eine schnellere Versorgung zukommen zu lassen durch Schaffung größerer teilsicherer Bereiche.


    Gruß Carsten